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Zwei Entwicklungen sind für die jüngere Geschichte des Landes von herausragender Bedeutung. Zum Einen wurde das Gebiet an der Saar zu einem der bedeutendsten Industriereviere Europas. Fast parallel zu dieser Entwicklung wird die „Nationale Frage“ zu einem alles beherrschenden Thema des gesellschaftlichen und politischen Lebens.

Im Herbst 1792 begann die Besetzung des Gebietes an der Saar durch Frankreich. Im Zuge der Umorganisation der Landesverwaltung nach französischem Vorbild wurden den Bürgern die vollen staatsbürgerlichen Rechte zuerkannt. Damit war das Ende des „Ancien Regime“ auch an der Saar besiegelt. Mit dem endgültigen Scheitern der französischen Revolution im Jahr 1815 gelangt der größte Teil des Landes mit Saarbrücken und Saarlouis unter den Einfluss des Königreiches Preußen, der östliche Teil wurde Bayern zugewiesen. Kleinere Gebiete gingen an das oldenburgische Fürstentum Birkenfeld und das Fürstentum Lichtenberg.

Die mit dieser Neueinteilung des Landes verbundene Überwindung der territorialen Zersplitterung hatte in der Bevölkerung einen Identitätsschub zur Folge.

Andererseits bedeutete sie in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht doch eine Spaltung des Landes. Die preußischen Gebiete erlebten einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, da Preußen nach der Übernahme der seit 1751 verstaatlichten Kohlegruben der größte Unternehmer an der Saar wurde. Aus eigenem Interesse forcierte der preußische Staat den Übergang von der agrarischen und ständischen Sozialordnung zu einer kapitalistischen Industriegesellschaft. Gleichzeitig wurden der Bevölkerung jedoch wichtige demokratische Rechte vorenthalten. Insbesondere in der Anfangszeit preußischer Herrschaft war in der saarländischen Bevölkerung eine distanzierte bis ablehnende Haltung gegenüber dem preußischen Staat verbreitet.

Im bayerisch beeinflussten Teil des Landes wurden die Errungenschaften der französischen Zeit weitgehend beibehalten. Die Trennung von Justiz und Verwaltung, die Aufhebung der Adelsprivilegien und die Einrichtung von Schwurgerichten wurden nicht angetastet. So ist es wenig verwunderlich, dass sich gerade Homburg und Zweibrücken bereits früh zu Zentren des politischen Liberalismus entwickelten. Einen ersten Höhepunkt erlebte dieser Liberalismus mit dem Hambacher Fest im Jahr 1832.

Mit Beginn der 60iger Jahre des 19. Jh. drängte sich die ,,Nationale Frage“ zunehmend in den Vordergrund der öffentlichen Diskussion. In der saarländischen Bevölkerung setzte eine konservative Wende ein. Der ehedem antipreußisch eingestellte Liberalismus verlor zugunsten eines regierungsfreundlich eingestellten Nationalliberalismus an Boden. Die nationale Euphorie der Jahre 1870/71, als nach kurzzeitiger französischer Militärbesatzung Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg besiegt wurde, ist ein drastisches Beispiel für diese Entwicklung. Preußen wurde nun als Schutztruppe bejubelt. In der Folgezeit eskalierte der anfangs noch gemäßigte Patriotismus zu einem übersteigerten Nationalismus.

Die Zeit zwischen der Reichsgründung und dem Ausbruch des ersten Weltkrieges zeichnet sich durch einen kontinuierlichen wirtschaftlichen Aufschwung für das Saargebiet aus, allerdings ohne, dass damit eine entsprechende Demokratisierung des politischen Lebens einhergeht. Preußen unterdrückte jeden politischen und sozialen Reformansatz durch ein effektives System staatlicher und betrieblicher Beeinflussung. Als Konsequenz war das protestantische, bürgerlich-nationalliberale Lager an der Saar politisch deutlich überrepräsentiert. Das katholische Zentrum entwickelte sich nur langsam zur bedeutendsten Oppositionspartei.

Im Unterschied zum Reich konnte die SPD an der Saar bis zum Ende des Jahrhunderts kaum an Einfluss gewinnen. Die Überwachung und Bespitzelung der Arbeiterschaft durch den preußischen Staat, der Zusammenschluss fast aller saarländischen Unternehmer zum „Komitee zur
Bekämpfung der Sozialdemokratie“ im Jahr 1877, der Einsatz von Polizei und Justiz gegen die sozialdemokratische Partei und ihre Mitglieder und die konservative Position der katholischen Kirche verhinderte ein Erstarken der Sozialdemokratie an der Saar. Erst mit der Abdankung des deutschen Kaisers und der Ausrufung der Republik übernahmen Arbeiter und Soldaten an der Saar am 9. November 1918 für kurze Zeit die Macht und forderten die sozialistische Umgestaltung von Staat und Gesellschaft.

Mit der Novemberrevolution von 1918 gingen weitere tiefgreifende Veränderungen einher. Erstmals in der deutschen Geschichte erhielten die Frauen das Wahlrecht. Bereits drei Wochen später wurde dieser Versuch der Demokratisierung an der Saar durch den Einmarsch der französischen Truppen zwangsweise beendet.

Damit war das Saarland erneut von der Entwicklung im restlichen Deutschland abgekoppelt. Die demokratischen Rechte der Weimarer Verfassung wurden den Saarländern verweigert.

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