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Mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler und der Errichtung des nationalsozialistischen Terrorregimes in Deutschland begann auch für das Saargebiet eine Zeit quälender Auseinandersetzungen. An der nationalen Frage zerbrach die bisherige Einmütigkeit der saarländischen Politik, und eine parteipolitische Sonderentwicklung kam in Gang.

Mit der Unterstützung aus Hitlerdeutschland gewann die NSDAP schnell an Einfluss im Saargebiet. Die bürgerlich-liberalen Parteien und das katholische Zentrum schlossen sich unter ihrer Führung auf eine Initiative des VölkIinger Industriellen Herrmann Röchling zur ,,Deutschen Front (DF)“ zusammen. Die DF trat für den Anschluss des Saargebiets an das Reich ein. Als Aushängeschild dieser Bewegung fungierten führende bürgerliche Politiker und Pfarrer. Ein ,,Führerrat der DF“ wurde gebildet, dem unter anderem die Landesratsmitglieder Herrmann Röchling (DSVP), Gustav Schmoll (Wirtschaftspartei), Peter Kiefer, Franz Levacher und Peter Wilhelm (alle Zentrum) sowie der Nationalsozialist Jakob Pirro angehörten. Die ,,Deutsche Front“ erschien so nach außen als eine überparteiliche Bewegung. Tatsächlich stand sie jedoch vollständig unter der Kontrolle der NSDAP, die von dem pfälzischen Gauleiter  Josef Bürckel gelenkt wurde. Als propagandistisches Leitmotiv wurde die Abstimmung von 1935 zu einer Entscheidung für Deutschland und gegen Frankreich hochstilisiert. Die ,,Deutsche Front“ wollte die anstehende Abstimmung keinesfalls als Entscheidung zwischen Demokratie und nationalsozialistischer Diktatur verstanden wissen. Mit dieser Strategie gegen die Vernunft, bei gleichzeitigem Appell an Emotionen, war sie dann auch erfolgreich. Großzügige Unterstützung erfuhr das Pro-Hitler Bündnis durch das Propagandaministerium von Goebbels. Jeder, der sich für die Demokratie und gegen die Rückgliederung einsetzte, wurde einem massiven psychischen und physischen Druck ausgesetzt. Unternehmer drohten mit Entlassungen, Vereine schlossen Gegner der Rückgliederung aus, und die Bischöfe von Trier und Speyer unterstützten die Rückgliederung.

 
Die SPD bemühte sich vergeblich, eine Verschiebung der Abstimmung beim Völkerbund zu erreichen. Am 4. Juni 1934 wurde der 13. Januar 1935 als Tag der Volksabstimmung festgelegt. Erst jetzt schlossen sich Sozialdemokraten und Kommunisten zu einem Bündnis zusammen. Kurz darauf traten die kommunistischen Gewerkschaftsverbände bei. Gegen die emotionsgeladene nationalistische Stimmung kam das Bündnis jedoch nicht mehr an.
 
Im Jahr 1934 schlossen sich außerdem oppositionelle Pfarrer und kritische Katholiken unter Mitwirkung des Redakteurs Johannes Hoffmann zum ,,Deutschen Volksbund für christliche und soziale Gemeinschaft“ zusammen. Sie sprachen sich ebenfalls für die Beibehaltung des Status quo aus. Auch sie fanden nur geringen Zuspruch, insbesondere deshalb, weil sich die katholische Kirche für die Rückgliederung aussprach.
 
Die Abstimmung selbst wurde am 13. Januar 1935 unter der Überwachung durch eine internationale Polizeitruppe weitgehend korrekt durchgeführt. 90,4% aller abgegebenen Stimmen sprachen sich für die Rückgliederung aus. Damit waren auch zwei Drittel der ehemaligen SPD- und KP-Wähler ,,übergelaufen“. Lediglich 8,8% stimmten für den Status quo. Am 18. Januar 1935 wurde das Saargebiet auf Beschluss des Völkerbundrates wieder dem Deutschen Reich eingegliedert.