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Rede des Präsidenten des Conseil départemental de la Moselle, Patrick Weiten, anlässlich seines Besuchs im Landtag des Saarlandes

16.01.19

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Sehr geehrte Ministerinnen und Minister! Sehr geehrte Staatssekretärinnen und Staatssekretäre! Sehr geehrte Abgeordnete des Landtages! Sehr geehrte Damen und Herren!

Wenn ich heute das Wort an Sie richte, tue ich dies im Ermessen der Ehre, die mir zuteil wird, denn ich bin der erste ausländische gewählte politische Vertreter, der an diesem Ort spricht.

Ganz besonders möchte ich hier meinem Freund, dem Landtagspräsidenten Stephan Toscani, dafür danken, dass er ein solches Ereignis möglich gemacht hat. Ohne unseren Austausch auf der „Faites de l'Allemand“ („Lern Fest Deutsch“) im letzten März in Stiring-Wendel wäre dies nicht möglich gewesen.

Ich danke Ihnen auch für Ihr Engagement für die deutsch-französische Zusammenarbeit und insbesondere für die Zusammenarbeit zwischen dem Saarland und dem Département de la Moselle.

Die Ehre, die mir heute erwiesen wird, ist ein starkes Symbol der Anerkennung der tiefgehenden historischen Verbindungen, leidenschaftlich geknüpft durch den Willen und das Engagement für ein gemeinsames Streben, das uns als Quelle der Innovation für unsere Gebiete und Motivation für dauerhafte Vertiefung dient.

Es ist umso mehr eine Ehre, als der Kontext geeignet ist, die nachbarschaftliche Zusammenarbeit in den Mittelpunkt der deutsch-französischen Kooperation zu rücken und sie als einen wesentlichen Motor der letzteren anzusehen. Am 22. Januar werden der Präsident der Republik Frankreich, Emmanuel Macron, und die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Angela Merkel, im Aachener Rathaus zusammenkommen, um einen neuen Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit zu unterzeichnen, der gemeinhin „neuer Élysée-Vertrag“ genannt wird.

Die Veranstaltung ist reich an Lehren. Sie besiegelt die Idee, dass es unumgänglich ist, die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern über nachbarschaftliche Zusammenarbeit zu lenken, und zwar vor allem so, wie wir das gemeinsam getan haben.

Das Département de la Moselle und das Saarland gehören unbestreitbar zu den Pionieren der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, durch die Entwicklung von starken Initiativen und Strukturprojekten für unsere Gebiete und immer auch im Dienste unserer Einwohner, um einen wahren Raum für europäisches nachbarschaftliches Leben entstehen zu lassen, in dem sich jeder täglich davon überzeugen kann, was die Abschaffung der Grenzen bedeutet.

In dieser Zeit, in der manche Mauern bauen und Grenzen verstärken wollen, in einer diabolischen Logik des Rückbezugs auf sich selbst, können wir bekräftigen, dass es besser ist, Brücken zu bauen und sich für ein besseres Verständnis seines Nachbarn einzusetzen, denn in Wahrheit kommt ein jeder nur auf diese Weise weiter und dies ist in Wahrheit die Voraussetzung für die Weiterentwicklung unserer Gebiete.

Eine weitere Lehre, die wir aus der baldigen Unterzeichnung zu ziehen haben, ist, dass sie weder im Département de la Moselle noch im Saarland stattfindet. Dies zeigt, in welchem Maße es unabdingbar ist, dass es uns gelingt, unsere Erfahrung und unsere Erfolge in unsere jeweiligen Hauptstädte zu tragen.

Es muss daran erinnert werden, dass es dieses Gebiet war, wo gemeinsam grenzüberschreitende Buslinien eingerichtet wurden dank dem Département de la Moselle und dem Saarland, dass es dieses Gebiet war, wo die erste grenzüberschreitende Straßenbahnlinie gebaut wurde, dass es dieses Gebiet war, wo zum ersten Mal über die Schaffung einer grenzüberschreitenden Metropole nachgedacht wurde.

Das Saarland und das Département de la Moselle sind zweifellos Pioniere und als solche anzuerkennen. Seit Jahrzehnten haben wir gemeinsam das System der Sprachassistentinnen entwickelt, um das Erlernen der Sprache des Nachbarn zu fördern, damit unsere jungen Menschen bessere Einstellungsvoraussetzungen haben. Um diese Lösung, die wir gemeinsam erdacht haben, werden wir von manchen beneidet, die vorgeben, sie neu zu entdecken. Mit Freude konnten wir den französischen Minister für nationale Bildung vernehmen, der seine Unterstützung für diese Methode aussprach in der Einschätzung, dass sie für das Erlernen einer Fremdsprache von klein auf die effizienteste sei.

Diese Dynamik und die gegenseitige, gemeinsame Erkenntnis der Herausforderungen hat dafür gesorgt, dass das Saarland sich dazu entschlossen hat, das Erlernen der französischen Sprache in den Mittelpunkt seiner Frankreichstrategie zu stellen und das Département de la Moselle das Erlernen der deutschen Sprache ins Herz seiner „Deutschland-Strategie“.

Diese Dynamik hat auch dafür gesorgt, dass wir hier, in unserer grenzüberschreitenden Großregion, gemeinsam mit Rheinland-Pfalz, dem Großherzogtum Luxemburg, der Wallonie und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens das größte europäische grenzüberschreitende Projekt zur Mehrsprachigkeit, das Projekt SESAM GR, entwickeln, das vom Conseil Départemental de la Moselle geleitet wird. Das Projekt will unseren jungen Leuten sprachliche Werkzeuge an die Hand geben, indem es das Erlernen der Sprache des Nachbarn sowie den Erwerb der notwendigen interkulturellen Kompetenzen einfach und sinnvoll ermöglicht, denn das Beherrschen der Sprache und die Kenntnis des anderen sind nicht nur wichtig für die berufliche Mobilität, sondern auch und vor allem für die kulturelle Eingliederung und den Zusammenhalt.

Dank dieser Bemühungen lernen heute - unterschiedlich intensiv - 30.607 mosellaner Schüler, das sind 36,2 Prozent der 84.578 Schüler in Kindergärten und Grundschulen, Deutsch in der Früherziehung und 70 Prozent der mosellaner Schüler in der Sekundarstufe lernen Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache, das sind 28.356 Schüler, davon 2,1 Prozent in bikulturellen Klassen.

Das Projekt hat zum ehrgeizigen Ziel, dass unsere Jugendlichen, die Bürger von morgen, die Werte kennenlernen, die uns leiten und die im Herzen des europäischen Projektes stehen, für das wir einstehen müssen. Ich wünsche mir, dass wir diese Dynamik gemeinsam noch verstärken können, indem wir die Einrichtung von Schulpartnerschaften voranbringen. Ich schlage Ihnen vor, dass jedes Collège im Département de la Moselle eine saarländische Partnerschule bekommt.

Außerdem freue ich mich, hier vor Ihnen zu stehen, um Ihnen ganz direkt und einfach einen weiteren Vorschlag zu machen. Das Département de la Moselle hat einen Junior-Departementrat eingerichtet, der gerade neu einberufen wurde und soeben seine Arbeit aufgenommen hat. Diese Versammlung hat Maÿlis Kremer aus dem Kanton Bitche zur Präsidentin gewählt, was für ein Symbol: Grenzland sowohl zum Saarland als auch zu Rheinland-Pfalz. Seit seiner Schaffung war es der Wunsch des Departements, diese Versammlung für Grenzüberschreitendes und Erfahrungsaustausch für andere Versammlungen in der Großregion zu öffnen. Ich würde mich freuen, wenn ähnlich dem, was wir heute erleben, ein solcher Austausch zwischen unserer Junior-Departementversammlung und einer vergleichbaren Versammlung unserer saarländischen Nachbarn stattfinden könnte. Ich glaube, das wäre ebenfalls ein wichtiges Symbol, wenn unsere Juniorversammlungen mal hier, mal im Département de la Moselle tagen könnten. Ich bin mir sicher: Aus solchen Austauschen entstehen neue Ideen für Projekte für unsere Jugend, von denen wir die Gewissheit haben, dass sie unseren Jugendlichen und ihrer Entfaltung in einem offen grenzüberschreitenden Raum dienlich sind.

In diesem Sinne haben wir erreicht, dass die Kultur zu einem wesentlichen Integrationsfaktor werden konnte und sich an der Annäherung der Menschen und der Schaffung eines gemeinsamen Gefühls der Zugehörigkeit zu einem gemeinsamen Lebensraum beteiligt. Das Festival Perspectives ist hierfür ein offensichtlicher, lebendiger Beweis.

Wir gestalten die Projekte, indem wir regelmäßig Hindernisse durch Einfallsreichtum und Innovation überwinden. Anerkennung der sprachlichen Niveaus und der Ausbildungen, Arbeitsrecht, Vorschriften, Normen; all diese Hindernisse haben wir noch immer überwinden können.

In diesem Jahr nenne ich sehr gern das Beispiel des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim. Er ist der einzige wirklich deutsch-französische Standort. Er wurde vor 30 Jahren errichtet und überwindet täglich Hindernisse. So hat etwa der Bau des „Gebäudes auf der Grenze“ gezeigt, dass es trotz der Karlsruher Übereinkommen immer noch zahlreiche Bremsklötze gibt, die die völlige Überwindung der Grenze verhindern. Im Rahmen der Konformität eines gemeinsamen Gebäudes waren die Fragen zu beantworten nach welchen Normen welchen Landes, in wessen Verwaltung und gemäß welchen finanziellen Gegebenheiten dieses Projekt möglich sei. Aber dieses Gebäude haben wir tatsächlich gemeinsam gebaut, es ist der manifeste, offensichtliche Beweis dafür, dass es möglich ist, dass es durchführbar ist. Darum schlage ich vor, dass das Jahr 2019 uns ermöglicht, weitgefasste Überlegungen über eine vollkommen integrierte Verwaltung des Standorts anzustellen, damit aus ihm der Totem in der Anwendung eines echten grenzüberschreitenden einzigartigen Rechtes im Dienste der Jugend, im Dienste der Erziehung, im Dienste der Kultur wird. Es wird der erste saarländisch-mosellanische Standort in der Großregion.

Man könnte ins Feld führen, dass diese Art Anliegen sehr weit von denen unserer Mitbürger entfernt ist. Die neuesten Ereignisse in Frankreich zeigen, dass das Bedürfnis nach Nähe und die Notwendigkeit, das Menschliche zu berücksichtigen, weiterhin zentrale Sorgen unserer Bevölkerungen sind. Das Département de la Moselle ist umso mehr betroffen, als es eine doppelte Verantwortung trägt: Es ist der Garant für Solidarität unter den Menschen und für eine Solidarität der Gebiete. Es ist also verantwortlich für Politik im Sinne der Kinder, der Jugend, aber auch der Schwächsten, insbesondere der abhängigen Menschen.

Im Bewusstsein des Potenzials und der Möglichkeiten, die seine geografische Lage und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bieten, hat es diese Dimension voll und ganz in seine Politik integriert. So unterstützt das Departement außer der Gewährleistung der Fähigkeit, für eine bessere Eingliederungschance auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt notwendige sprachliche und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, auch die Entwicklung vollkommen grenzüberschreitender Krippen für die ganz Kleinen. Und auch hier gibt es nirgends sonst an deutsch-französischen Grenzen ein solches Modell. Das Projekt Babylingua ist einzigartig. Das Saarland und Moselle wollen von frühester Kindheit an gemeinsam eine Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Gebieten fördern.

Das Département de la Moselle ist des Weiteren sehr engagiert in der Hilfe für ältere Menschen. Das Saarland verfügt über zahlreiche Kompetenzen, die es in einem Cluster zusammengefasst hat. Und wieder einmal haben wir gemeinsam ein verbindendes Projekt auf der Ebene der Großregion entwickelt. Das Projekt Senior Activ bietet eine konstruktive grenzüberschreitende Initiative, die den Verbleib zu Hause fördert, indem es sich insbesondere die digitale Revolution zunutze macht, die unsere Gesellschaften tiefgreifend verändert.

Schließlich muss ich ein großangelegtes Projekt nennen, das ohne Gleichen ist und auf das sich zu Recht zahlreiche Hoffnungen gründen. Die Dienststelle des Departements für Brandschutz und Rettungswesen (SDIS) unter der Befehlsgewalt des Direktors, des Colonel (Obersten) Vallier, unternimmt mit ihren Partnern in der Großregion, insbesondere im Saarland, ein nie dagewesenes Experiment auf dieser Ebene, und zwar direkt im Dienste unserer Mitbürger. Es geht darum, einen gemeinsamen Ansatz zur Risikobewertung zu finden sowie die notwendigen Instrumente für eine bessere Koordination und gemeinsame Einsätze unserer Sicherheits- und Brandschutzkräfte auf unseren Gebieten einzurichten. Wieder einmal denke ich, dass wir innovativer sind als anderswo. Das Projekt INTER'RED wird nach meiner Ansicht ein echter Grundstein für weitere Kooperationsräume sein.

Alle diese Projekte, meine Damen und Herren, haben etwas Gemeinsames: Sie stellen unsere Fähigkeit unter Beweis, Antworten auf die großen Herausforderungen zu finden, denen unsere Gebiete sich gegenübersehen. Und mancher erwartet konkrete, konzertierte Antworten von uns. So ist es kein Geheimnis, dass das Saarland eine in seiner Bevölkerung nie dagewesene strukturelle Umwandlung bewältigen muss. Angesichts des Alterungsprozesses unserer Bevölkerung müssen wir in der Lage sein, die älteren Menschen zu begleiten und gleichzeitig die notwendigen Bedingungen für die Wirtschafts- und Wachstumsentwicklung zu gewährleisten, insbesondere durch ausreichende Arbeitskräfte in der Zahl und in der Qualität gemäß den Erwartungen der Arbeitgeber. Hier muss ich die bereits bestehenden Initiativen zur Verbesserung der Integration unserer Mitbürger auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt nennen. So möchte ich ganz besonders dem Saarland dafür danken, sehr geehrter Herr Präsident, dass es die Schaffung der Taskforce Grenzgänger initiiert und sich für ihre Fortführung eingesetzt hat, insbesondere indem es ein Netzwerk neuer Partner geknüpft hat, darunter die Maison du Luxembourg (Haus Luxemburgs) mit Sitz in Thionville und vor allem die Maison Ouverte des Services pour l'Allemagne (MOSA) (Offenes Haus der Dienstleistungen für Deutschland), mit Sitz in Forbach. Die Taskforce bietet wertvolle juristische Lösungen, mit deren Hilfe die Hindernisse, denen sich Grenzgänger, zukünftige Arbeitnehmer, die noch studieren, tätige Arbeitnehmer oder solche im Ruhestand täglich gegenübersehen, überwunden werden können. Das ist ein echter Mehrwert für unseren Kooperationsraum.

Ich habe als einen Partner der Taskforce die MOSA genannt. Sie entstand aus einer doppelten Feststellung heraus, nämlich der Bewusstwerdung der Möglichkeiten, die sich auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland ergeben, bei gleichzeitigem Rückgang der Zahl der Grenzgänger aus der Moselle ins Saarland, insbesondere im Gebiet Forbach. Das Département de la Moselle erachtete es für nötig, zu handeln, um den Strömen ins Saarland hinein eine neue Dynamik zu verleihen, auch von Ost-Moselle. Wir haben es geschafft, die Interkommunale Zusammenarbeit zum Modell eines Hauses der Dienstleistungen für Deutschland zusammenzuführen. Aber dieses Unternehmen war nur dank des Engagements unserer saarländischen Partner im Projekt und in der Begleitung, die uns damals von der saarländischen Regierung zuteilwurde, erfolgreich. 2018 nutzten mehr als 5.000 Personen dessen Dienste, während es 2016, im ersten Dienstjahr, etwas mehr als 3.000 Personen waren.

In diesem Sinne engagiert sich das Département de la Moselle mit einer ganz besonderen Initiative für die Schaffung eines digitalen Hauses der Sprachen, das es ermöglicht, den Wert des Erlernens von Sprachen für Erwachsene, Eltern, Jugendliche zu erkennen, sie über bestehende Angebote zu informieren und Orientierung zu bieten. Das Projekt wird nur durchführbar und erfolgreich sein, wenn es sich auf eine echte Öffnung über die Grenze hinweg stützt, und hier appelliere ich an Ihre Kooperation und Ihre Unterstützung. Das digitale Haus der Sprachen wird ein Haus sein, das zum Saarland und zur Moselle hin offen ist.

Der Zugang zu Beschäftigung und Mobilität bleibt eine Herausforderung für unseren grenzüberschreitenden Lebensraum. Auch wenn das Gesetz der territorialen Neuorganisation der Republik Frankreich die Zuständigkeiten für Transport von den Departements auf die großen Regionen übertragen hat, hat unser Departement den Wunsch und den Willen, im Bereich der Mobilität weiterhin ein zentraler Akteur zu sein, insbesondere bei der Verwaltung des Straßennetzes, für das wir die Verantwortung tragen. Daher haben wir uns gegenüber dem Saarland dazu verpflichtet, grenzüberschreitende Verbindungen mit vollautomatisierten Bussen im Rahmen des Projektes TERMINAL zu testen.

Außerdem wird unser Departement unablässig Initiativen fördern und unterstützen, die das Reisen innerhalb unseres Kooperationsraumes erleichtern. Darum habe ich mich persönlich für die Zukunft der Linie Dillingen-Bouzonville-Thionville eingesetzt und habe im vergangenen Dezember mit der Unterstützung des Vizepräsidenten Günther Heinrich in Frankreich den Transportminister, den Präsidenten der Region Grand-Est und den Generaldirektor der SNCF gebeten, sich um die Modernisierung, den Erhalt und die Entwicklung dieses unentbehrlichen Streckenabschnitts im Rahmen der Eisenbahnlinie zwischen dem Saarland und der Moselle zu kümmern.

Sie soll auch die Eisenbahnverbindungen zwischen dem Saarland und dem Großherzogtum über die Moselle erleichtern. Dies ist absolut wichtig für die Mobilität im Schienennahverkehr, ausgehend von den großen europäischen Eisenbahntransportkorridoren.

Ebenfalls unabdingbar ist es, dass wir gemeinsam etwas für die Attraktivität unserer Gebiete tun, um an Sichtbarkeit zu gewinnen. Das Département de la Moselle hat zu diesem Zweck eine Attraktivitätsagentur für sein Gebiet ins Leben gerufen: MOSL Attractivité. Teil ihres Programms ist die voll und ganz grenzüberschreitende Dimension, und sie ist bereits Partner wichtiger Projekte wie des Projektes zur Schaffung digitaler Werkzeuge für touristisches Marketing in der Großregion, das von der Tourismuszentrale des Saarlandes durchgeführt wird. Es passt damit genau zur Philosophie dessen, was das Département de la Moselle entwickeln wollte. MOSL, das heißt Moselle ohne Schranken, ohne Grenzen. Unser Ziel ist die partnerschaftliche Entwicklung gemeinsam mit unseren Nachbarn. Zum Start der Marke MOSL waren Sie freundlicherweise anwesend, Herr Präsident. Sie alle, davon bin ich überzeugt, sind Botschafter der Marke MOSL, die wir unterstützen müssen.

Eine weitere Herausforderung betrifft die digitale Revolution und ihre Auswirkungen auf das Wirtschaftsmodell, das wir kennen. Das Département de la Moselle kennt und anerkennt die weitreichenden Kompetenzen im Saarland. Ich nenne hier nur das DFKI, das ZEMA und das Max-Planck-Institut. Ich weiß, dass das Saarland der Hotspot in diesem Bereich werden will. Einmal mehr denke ich, dass es notwendig ist, gemeinsam arbeiten zu können, denn das Département de la Moselle verfügt über ergänzende Stärken, die es einbringen kann. Mithilfe dieser Zusammenarbeit werden die Ambitionen der einen nicht die Träume der anderen sein, sondern gemeinsame Realität innerhalb einer gemeinsamen Win-Win-Strategie, denn wir brauchen einander, dessen sind wir uns im Département de la Moselle völlig bewusst. Das Département de la Moselle und das Saarland haben sich dazu entschlossen, sich in den Dienst ihrer Mitbürger zu stellen.

Ich könnte ebenfalls unser gemeinsames Engagement für nachhaltige Entwicklung nennen, indem ich hier das Projekt GreENEFF anführe, das es ermöglichen soll, einen gemeinsamen Standard im Bausektor zur Reduzierung der Energiekosten einzuführen, insbesondere für Vermieter sozialen Wohnraums.

Der Reichtum und die Intensität unserer Zusammenarbeit, die Innovation, mit der wir unsere Projekte konkretisiert haben, die starken Ergebnisse, die wir erzielt haben, werden uns immer in den Stand versetzen, auf die gemeinsamen Herausforderungen antworten zu können. Aber wir müssen feststellen, dass wir wachsam bleiben und diesen Umstand unseren jeweiligen Hauptstädten nahebringen müssen.

Nun muss ich bei allem Engagement und dem Verständnis für die Wichtigkeit der Zweisprachigkeit für das Département de la Moselle doch noch feststellen, dass auf nationaler Ebene Entscheidungen gefällt werden, die zu einem großen Bruch in der Kontinuität des verstärkten Erlernens der deutschen Sprache führen könnten. Ebenso führt das Fehlen von neuer Gesetzgebung trotz bekannter Probleme und obwohl die Behörden damit befasst sind heute zu individuellen, sehr schwierigen Situationen im Bereich Arbeitsunfähigkeit und Sozialrecht. Es wird erkannt, dass die Grenzgänger existieren, und auch analysiert, aber wie steht es mit dem Aufheben negativer externer Effekte, die auch heute noch durch die Grenze hervorgerufen werden?

Eine Bresche könnte auf zwei verschiedenen Ebenen geschlagen werden. Zunächst auf europäischer, insofern die Kommission den vom Großherzogtum Luxemburg während seiner Ratspräsidentschaft initiierten Vorschlag zur Verordnung über das rechtliche Instrument wieder aufnimmt. Das würde die Anwendung eines Rechts auf beiden Seiten der Grenze ermöglichen. Dies ist eine Chance, auch wenn die Umsetzung noch viele Fragen auf den Plan ruft, auf französischer Ebene mit dem Recht zur Differenzierung. So hat der Staat im Rahmen der Schaffung der europäischen Körperschaft Elsass anerkannt, dass diese Körperschaft neue Zuständigkeiten im Hinblick auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zugesprochen bekommen würde. Damit wäre die Körperschaft in der Lage, Lehrpersonal beim nationalen Bildungswesen zu rekrutieren, um das Erlernen der deutschen Sprache zu fördern. Sie wäre gemeinsam mit dem Staat im Kooperationsraum Oberrhein diplomatisch federführend.

Was für das Elsass möglich ist, wird auch für das Département de la Moselle möglich sein, denn es gibt mindestens ebenso sehr die europäische Körperschaft Moselle wie es die europäische Körperschaft Elsass gibt. Denn sonst würde dies einen Bruch und eine neue Grenze zwischen dem Elsass und dem Département de la Moselle bedeuten, die dazu führen könnte, unseren grenzüberschreitenden Lebensraum insgesamt zu bestrafen. Also muss das Département de la Moselle im Sinne neuer Aktionshebel die Fähigkeit erlangen, federführend bei der Entwicklung von Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen dem Département de la Moselle und dem Saarland zu werden.

Darum formuliere ich den Wunsch, mich auf Ihre Unterstützung verlassen zu können, um mit vollem Recht unsere Forderung voranbringen zu können, mit deren Hilfe wir Instrumente an die Hand bekommen, die unsere tagtägliche Zusammenarbeit im Dienste der Lebensqualität und des guten gemeinsamen Zusammenlebens unserer Mitbürger erleichtern.

Es ist also unabdingbar, dass wir uns versichern, dass das, was hier geschieht, in unseren jeweiligen Hauptstädten gut verstanden und beherrscht wird. Hier ist das Deutsch-Französische lebendig, genauso wie dort, und für einige Bereiche gilt dies sogar mehr als anderswo, angesichts dessen, was wir bereits erreicht haben. Es ist also logisch und legitim, dies auch anzuerkennen. Wenn man in Paris, wenn man in Berlin Pilotgebiete für europäische und grenzüberschreitende Beziehungen möchte, dann kann man sie hier, im Saarland und im Département de la Moselle, jetzt schon finden. Saarbrücken und Metz müssen die Hauptstädte der deutsch-französischen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit werden.

An Arbeitsfeldern, auf denen unsere gemeinsame Kraft der Ideen erwartet wird, mangelt es nicht. Die Herausforderungen sind zahlreich, und wir sind dafür bereit. Wille und Ehrgeiz, die wir in der Vergangenheit mobilisieren konnten, sind ungebrochen und leiten uns weiterhin.

Vor einigen Wochen veranstaltete das Département de la Moselle in Partnerschaft mit dem Département Meurthe-et-Moselle und dem Institut der Großregion eine Konferenz mit dem Titel „Grenzüberschreitende Realitäten: das Deutsch-Französische im Alltag“. Herr Präsident, damals erwiesen Sie uns die Ehre und machten uns die Freude, diesen Vormittag im Robert-Schuman-Haus zum Abschluss zu bringen. Bei dieser Gelegenheit war zu spüren und wahrzunehmen, wie lebendig die Zusammenarbeit in unserem grenzüberschreitenden Lebensraum ist, aber auch, wie nötig es ist, immer und immer weiter daran zu arbeiten, dass das grenzüberschreitende Leben, dass das europäische Leben auf dem Gebiet des Saarlandes, von Rheinland-Pfalz und Moselle als eine Chance und nicht als ein Hindernis erlebt wird.

Ich kann Ihnen versichern, dass das Département de la Moselle dazu bereit ist und sich mit seinen Mitteln einmal mehr dafür einsetzen wird, zu fühlbaren, konkreten Ergebnissen im Dienste jedes einzelnen Bürgers zu gelangen.

In einigen Tagen, am Ende des nächsten Gipfels der Exekutiven der Großregion, wird das Saarland, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, die Präsidentschaft des Gipfels übernehmen. Ich versichere Ihnen, dass Sie mit dem Département de la Moselle einen loyalen, effizienten und konstruktiven Partner haben werden, einen Verbündeten, der sich dafür einsetzen wird, dass Ihre Präsidentschaft ein Erfolg wird.

Damit dieser Tag als Beginn einer neuen Praxis gelten kann, wäre das Département de la Moselle sehr geehrt, Sie, meine Damen und Herren, am 9. Mai in Metz aus Anlass des symbolischen Europatages begrüßen zu dürfen, um unseren Austausch weiterzuführen.

Zum Abschluss kann ich Ihnen nur noch einmal versichern, welchen Stolz ich empfinde - es ist unser gemeinsamer Stolz - hier auf diesem Podium vor Ihnen sprechen zu dürfen, und ich darf Ihnen versprechen, dass diese Begegnung der Beginn zahlreicher Austausche, neuer Austausche ist, die, das weiß ich dank unserer Erfahrung schon jetzt, fruchtbar sein werden.

Schließlich möchte ich Robert Schuman, den Vater Europas, unser aller Vater, zitieren. Er sagte: „Die harten Lektionen der Geschichte haben den Mann der Grenze, der ich bin, gelehrt, sich vor übereilten Improvisationen, vor allzu ehrgeizigen Projekten in Acht zu nehmen, aber sie haben mich ebenfalls gelehrt, dass wenn uns ein objektives Urteil, reiflich überlegt, auf Tatsachen und dem höheren Interesse der Frauen und der Männer beruhend, zu neuen, ja sogar revolutionären Initiativen führt - selbst wenn sie die bestehenden Gewohnheiten, die säkularen Antagonismen und die althergebrachten Routinen erschüttern - wir daran festhalten und beharrlich bleiben müssen.“ - Ich schlage Ihnen gemeinsam vor, beharrlich an einer noch engeren Zusammenarbeit auf den Gebieten des Saarlandes, von Rheinland-Pfalz und des Département de la Moselle festzuhalten. Wir sehen uns, meine Damen und Herren, am 9. Mai. - (auf Deutsch:) Ich bin ein Saarländer.

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