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Grußwort zum Gedenken an die jüdischen Pfadfinder in Saarlouis

16.12.19

Es bewegt mich sehr, dass ich heute zu Ihnen sprechen darf. Ich danke Herrn Trautmann, Herrn Enzinger und allen anderen, die diese Gedenkstunde vorbereitet haben dafür. Gerne habe ich die Schirmherrschaft übernommen.
Meine Recherchen haben ergeben, dass es nur wenige Hinweise auf die jüdischen Pfadfinder in Saarlouis gibt. Also sehe ich diese Veranstaltung eher als Gedenkveranstaltung für alle jüdischen Jugendlichen, die vertrieben oder ermordet wurden. Über die jüdische Jugendbewegung wir uns Patrick Trautmann berichten.
Ich gehe an dieser Stelle auf die Bedeutung des Erinnerns an das jüdische Leben im Saarland ein.
Erinnerung, Erinnerungskultur ist aktueller denn je; das habe ich bei immer wieder bei den Gedenkveranstaltungen, an denen ich in den letzten Monaten teilgenommen habe, gespürt.
Geschichte wiederholt sich nicht. Aber es gibt historische Muster, die uns zu denken geben sollten, damit wir nicht in alte Fehler verfallen. Daher ist die große Frage: Was können wir für Gegenwart und Zukunft aus der Vergangenheit lernen?
Ich betone deshalb immer wieder: Sich erinnern heißt, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenzuführen. Das Erinnern hat zwei Richtungen. Erstens erinnern wir uns um der Vergangenheit Willen. Es geht darum, mit der Vergangenheit wahrhaftig umzugehen: Was geschehen? Warum ist es so gekommen? Wie ist es zu Ausgrenzung, Verfolgung, Brutalität und Vernichtung gekommen? Wir erinnern an die Opfer und geben ihnen ihre Würde zurück, die ihnen damals auf so schlimme Art genommen wurde.
Es ist zweitens aber auch wichtig, dass wir uns um unsere Gegenwart und Zukunft Willen erinnern und uns fragen, welche Lehren wir aus der Vergangenheit für unsere Zukunft ziehen.
Die jüngsten Einschränkung der Pressefreiheit, der Menschenrechte, der Freiheit der Justiz weltweit, aber auch die Wahlerfolge und das Erstarken von Populisten haben ein größeres Interesse für Politik in unserer Gesellschaft geweckt.  Es gibt ein hohes Maß an Bewusstsein dafür, dass man sich für einen demokratischen Rechtsstaat engagieren und einsetzen muss, weil eine freiheitliche Ordnung keine Selbstverständlichkeiten ist. Karl Popper hat sinngemäß gesagt, dass die offene Gesellschaft Feinde hat – zu allen Zeiten.
Wir erleben gerade, dass Demokratie und Rechtsstaat neuen Herausforderungen ausgesetzt sind. Wir erleben auch das Erstarken von Antisemitismus.
Ich stelle ein Erschrecken darüber, wie heute von manchen über unsere Vergangenheit gesprochen wird und ein Erschrecken über die Wortwahl fest. Auch ein Erschrecken darüber, wie sehr die Verbrechen im Dritten Reich mitunter verharmlost werden. Auch in Deutschland haben Populisten Zulauf, die rassistisch auftreten, die die Menschenwürde verachten, die gegen Minderheiten hetzen, die Hass zu einem Antriebsfaktor für Politik machen. Bei Veranstaltung spüre ich, dieses Erschrecken. Es  rüttelt viele auf und motiviert sie  dazu, sich stärker für Rechtsstaat und Demokratie zu engagieren.
Ich selbst gehe mit Schülerinnen und Schülern an Erinnerungsorte in ihrem direkten Umfeld, um mit ihnen gemeinsam zu entdecken, was im Dritten Reich bei ihnen vor Ort geschehen ist. So versuche ich deutlich zu machen, dass Ausgrenzung, Verfolgung, Folter und Mord überall – sogar vor den Augen von Mitbürgerinnen und Mitbürger - stattgefunden haben.
Zu dieser Art von Erinnerungskultur gehört auch der Termin heute, bei dem wir uns an jüdische Jugendliche im Dritten Reich und ihr Schicksal erinnern.
Daher danke ich auch abschließend noch einmal für die Gelegenheit, hier zu reden.

Stage 2