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Eröffnungsrede des Landtagspräsidenten Stefan Toscani zur Vernissage „Shared History: 1700 Jahre jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum“

23.09.2021

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

ich begrüße sie recht herzlich zu der Eröffnung der Vernissage „Shared History: 1700 Jahre jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum“ hier im Foyer des Landtages des Saarlandes.
Seit 1700 Jahren leben nachweislich Juden auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin von 321, gilt als ältester Beleg für jüdisches Leben in unserem Land.
Dies bildet den Anlass für das bundesweite Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.
Im Saarland können wir ein weiteres Jubiläum begehen: denn die erste urkundliche Erwähnung von Juden auf saarländischem Boden findet sich in einem Freiheitsbrief des Saarbrücker Grafen Johann I. aus dem Jahre 1321.
Somit ist jüdisches Leben im Saarland auch bereits seit mindestens 700 Jahren nachgewiesen und wichtiger Teil unserer Identität.
Aus diesem Anlass präsentiert der Landtag des Saarlandes in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institut New York | Berlin die Wanderausstellung „Shared Histoy: 1700 Jahre jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum“
Dabei bezeichnet der Begriff „Shared History“ buchstäblich die gemeinsam geteilte Geschichte.
Die Ausstellung greift facettenreich Narrative jüdischer Geschichte in diesem Zeit- und Sprachraum auf.
Sie beleuchtet die individuellen und gemeinsamen Erfahrungen, die das jüdische Leben im deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahrhunderten prägten:
Demütigung, Ausgrenzung und Entmündigung auf der einen Seite, Anerkennung, Anpassung und sozialer Aufstieg andererseits.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – jüdisches Leben ist ein bedeutender Bestandteil der Identität unseres Landes. Es ist ein großes Geschenk, das bewahrt und geschätzt werden muss.
Die Ausstellung führt durch 1700 Jahre jüdische Zeitgeschichte und verdeutlicht wie stark die Verwurzelung der jüdischen Kultur im deutschsprachigen Raum tatsächlich ist.
Das Judentum versteht sich nicht nur als Religion, sondern auch als "Lebensstil". Daher ist es schwer, eine einfache Unterscheidung zwischen Judentum und jüdischer Kultur vorzunehmen.
Heute erinnern wir uns auch an den Reichtum jüdischer Kultur; daran, wie stark jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger kulturelle Entwicklungen in Deutschland geprägt haben.

Einige Namen möchte ich hier nennen:

  • Else Lasker-Schüler, Heinrich Heine, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel für die
  • Otto Klemperer, Kurt Weill, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Gustav Mahler für die
  • Lilian Harvey, Billy Wilder, Max Ophüls für Gisele Freund, Max Liebermann, Paul Klee für die Bildende Kunst.

Ein weiteres Beispiel für die tiefe Verbundenheit ist unsere Sprache:

Spuren der jiddischen Sprache sind aus unserem Wortschatz nicht mehr wegzudenken. Meschpoke – Malochen – Schlamassel: es gibt viele Wörter, die aus dem Jiddischen stammen: von A wie Abzocke bis Z wie Zoff.

Jüdisches Leben ist heute in all seiner Vielfalt wieder ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft.
Doch wie ein Blick auf die Exponate zeigt, war der Weg dorthin alles andere als einfach.
Die Ausstellung erzählt von dunklen Kapiteln, aber auch von Zeiten des friedlichen und lebendigen Miteinanders.
Gleichzeitig ist die Ausstellung eine Mahnung für Gegenwart und Zukunft. Sie gibt Ansporn sich für einen demokratischen Rechtsstaat, für Vielfalt und Toleranz einzusetzen.“
Denn auch heute, 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, wissen die meisten Menschen in Deutschland kaum etwas über das Judentum.
Gerüchte gibt es viele, die meisten sind falsch.“
Ich verbinde mit der „Shared History“-Ausstellung auch das Ziel, den Menschen im Saarland das Judentum näher zu bringen.
Die Geschichte hat gezeigt, dass Nicht-Wissen über eine Minderheit zu Vorurteilen, Ausgrenzung und Hass führt:
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster hat es so formuliert:

„Wir bräuchten dringend auch einen Impfstoff gegen Antisemitismus. Der ist leider noch nicht fertig. Trotz der Schrecken der Shoa ist Deutschland nicht immun gegen den Judenhass. Mit dem Festjahr kommen wir allerdings der Herdenimmunität beim Antisemitismus hoffentlich doch einen kleinen Schritt näher.“

Ich bin mir sicher, dass dies Ausstellung auch einen Beitrag dazu leisten wird.
Ich bedanke mich für Ihr Kommen und Interesse an unserer heutigen Vernissage.
Nun übergebe ich das Wort an Shimon Stein, den ehemaligen israelischen Botschafter und Vorsitzenden des Vereins der Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts, ein Videogrußwort übersandt hat.

Stage 2