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Das Saarland im ,,Dritten Reich“ 1935 bis 1945


Mit der Übergabe der Regierungsgeschäfte durch einen Vertreter des Völkerbundes an den Reichsinnenminister im Rathausfestsaal in Saarbrücken am 1. März 1935 setzte erneut eine Fremdbestimmung für das Saarland ein. Terror und Verfolgung wurden zentral von Berlin und aus dem pfälzischen Neustadt, dem Sitz des NSDAP-Gauleiters Bürckel, gesteuert. Die am 28. Februar 1933 in Kraft getretene Notverordnung fand nun auch im Saargebiet ihre Anwendung. Zusammen mit der Verhängung des bis 1945 geltenden Ausnahmezustandes bildete sie die Grundlage für die Verfolgung politischer Gegner. Parteien und Gewerkschaften wurden aufgelöst oder zwangsweise gleichgeschaltet. Ein Hindernis für diese Verfolgung bildete zu Anfang lediglich die im Römischen Abkommen vom 3. Dezember 1934 von der Reichsregierung gegebene Garantieerklärung, die vom Völkerbund überwacht wurde. Einige Mitglieder der ,,Deutschen Front“ konnten nun jedoch ,,Karriere“ machen. Peter Kiefer, der ehemalige Sekretär des Christlichen Bergarbeiterverbandes, ging in den Reichstag, Herrmann Röchling wurde Ratgeber Hitlers und einer der ,,Wehrwirtschaftsführer“.

Bis 1938 flüchteten mindestens 6000 Saarländer und kämpften später zum Teil in den Internationalen Brigaden in Spanien, im Pariser Exil, im ,,Nationalkomitee Freies Deutschland“ oder in der französischen Resistance gegen den Faschismus und den Nationalsozialismus. Auch ehemalige Mitglieder des Landesrates, die sich aktiv für eine freie Saar eingesetzt hatten, leisteten im Exil Widerstand. Max Braun starb 1945 in Großbritannien, Heinrich Sommer kehrte nach Kriegsende aus Schweden nach Berlin zurück, Wilhelm Frisch wurde nach der Besetzung Frankreichs 1940 verhaftet und von der Gestapo ermordet. Viele andere ehemalige Abgeordnete wurden in ihren Zufluchtsländern verhaftet und erhielten hohe Gefängnis- und Zuchthausstrafen mit anschließender Verbringung in ein KZ.

Die braunen Machthaber behielten bei der Rückgliederung die territorialen Grenzen der Völkerbundzeit bei. Am 30. Januar 1935 erhielt das Saargebiet im ,,Gesetz über die vorläufige Wehrverwaltung des Saarlandes“ den Namen ,,Saarland“.

Bereits am 3. Dezember 1934 hatten sich die deutsche und die französische Regierung im ,,Römischen Abkommen“ über die Übertragung des Eigentums des französischen Staates an den Bergwerken, Eisenbahnen und sonstigem unbeweglichem Vermögen geeinigt. Gegen Zahlung von 900 Millionen Franken ging es an das Deutsche Reich über.

Die Ernüchterung über das Terrorregime kam schnell. Bis zum Ausbruch des Krieges hatten die Saarländer ein distanziertes Verhältnis zu den Nationalsozialisten. Hinweise für diesen (passiven) Widerstand, vor allem in katholischen und linken Kreisen, findet man im Kampf der katholischen Bevölkerung von 1936/37 für die Beibehaltung des konfessionellen Schulwesens. 1937 kam es zu öffentlichen Protesten der saarländischen Grenzgänger gegen neue Devisenverordnungen. 1937/38 verweigerten die Bergarbeiter an der Saar die Sonntagsschichten.

Der seit 1938 einsetzende wirtschaftliche Aufschwung, die ersten außenpolitischen ,,Erfolge“ des Naziregimes, der sich ausbreitende Rassismus, gepaart mit ständigem Terror durch Gestapo und SS, bewirkten im Saarland jedoch eine zunehmende Duldung und Unterwerfung unter die Diktatur.

Seit 1938 existierte im Saarland kein organisierter politischer Widerstand mehr. SS und Gestapo richteten ihre Anstrengungen jetzt zunehmend auf die Kontrolle der Arbeiterschaft und die ,,Aussonderung“ und Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen wie Juden, Roma und Sinti, Homosexuelle und Behinderte. 1940 wurden die letzten 134 von ehemals 4600 Juden deportiert und Bürckel meldete nach Berlin, das Saarland sei nun ,,judenfrei“.

Seit 1942 war das Saarland Ziel alliierter Luftangriffe. Tausende fanden den Tod, 60% allen Wohnraumes wurde zerstört sowie 40% der öffentlichen Gebäude in den Städten. Alle wichtigen Straßen und Brücken wurden zerstört.

Ab dem 6. Dezember 1944 wurde das grenznahe Gebiet zum Operationsgebiet des Heeres erklärt, was die Vertreibung der Zivilbevölkerung aus ihrer Heimat zur Folge hatte. Es war bereits das zweite Mal, dass dieses Gebiet geräumt wurde. Bereits von September 1939 bis Sommer 1940 war der Streifen zwischen der deutsch-französischen Staatsgrenze und der Hauptkampflinie des Westwalls geräumt worden.

Bis zum 21. März 1945 besetzten die amerikanischen Streitkräfte das Saarland. Am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft fand sich die Bevölkerung in einem zu großen Teilen verwüsteten Land wieder.

 



Weiterführende Informationen
Von den Nationalsozialisten verfolgte Mitglieder des Landesrates und Landtages (22,6 KB)




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